Freitag, 24. April 2015

Pop Up Konzert #2 mit Jochen Distelmeyer


Konzerte im Museum? Geht sich gut aus. Gestern wieder ein ziemlich gelungenes Beispiel dieser schönen Verbindung von Bild und Ton erlebt: In den Hallen des Kunstforums spielte Jochen Distelmeyer auf. Nach Thees Ullmann war er der Zweite, dem die Ehre zuteil wurde im Rahmen eines PopUp-Konzerts auf der Freyung zu gastieren. Ja, hier werken nämlich Menschen mit großer Deutschpop-Affinität. Das geht so weit, dass es sogar einen Workshop zur aktuellen Ausstellung Landscape in my Mind (nur noch bis Sonntag!) gibt, der mit "Hier leben, ja bitte!" eine wunderschöne Tocotronic-Referenz zu bieten hat. Ja, es sind die kleinen Freuden.


Aber das, was da gestern vor den James Bond Islands von Andreas Gursky stattgefunden hat, war eine der großen Freuden. Ist ja nicht irgendwer, der Herr Distelmeyer. Und so fast für sich alleine hat man ihn eigentlich auch nie. Es werden nämlich nur genau hundert Karten pro "PopUpKonzert" aufgelegt. Wohnzimmerkonzert quasi. 
Auch inhaltlich kann etwas so Sinnliches übrigens Sinn (ha!) machen, wie die beiden KuratorInnen Lisa Ortner-Kreil und Florian Steiniger in zwei kleinen Ansprachen erklärten.
Kurzfassung: Das was die Becher-Schule für die Fotografie getan hat (zu denen unter anderem die ausgestellten Jörg Sasse, Axel Hütte, Elgar Essen und auch Andreas Gursky zählen) hat die "Hamburger Schule", zu denen man Tocotronic, Die Sterne und eben Distelmeyers Band Blumfeld zählt, für die Musik gemacht. Nämlich in den 90ern ihrer Kunstrichtung einen ordentlichen Boost verpasst. 
Und ein bisschen banaler: Jochen Distelmeyer singt und schreibt (siehe "Otis", sein gerade veröffentlichtes Buch) gerne über Landschaften. 
Und noch ein bisschen banaler, aber urherzig: Genau wie das Publikum betrat er das Kunstforum ganz locker durch den Haupteingang, stilecht mit Plastiksackerl in der Hand. Marcel Prawy in my mind! Die Referenz war ihm wohl nicht bewusst. Und noch viel weniger wahrscheinlich die auf das pinke Sackerl auf der ausgestellten Fotoarbeit "En la Pampa" von Jordi Colomer. Aber das war natürlich nicht der Fokus des Abends, das mit den Plastiksackerln. Der lag nämlich schon auf der Musik. Mehr als eine Stunde spielte Jochen Distelmeyer gemeinsam mit Daniel Florey eine feine Mischung aus Eigenem und Fremdem. Da war auch Unerwartetes dabei, das viel Freude machte: Eine Akkustik-Version von Britneys "Toxic" zum Beispiel. Und als Zugabe das herzzerreissende "I read a lot" nach Nick Lowe. (Für die Daheimgebliebenen nur ein schwacher Trost, aber unten gibt es die nachgebaute Setlist auf Spotify.)

So, jetzt bleibt eigentlich nur noch zu sagen: Danke, "Disti", für den feinen Abend! Auch wenn wir dank dir einen ordentlichen Kater durch die Woche tragen. Denn der feine Herr wollte sich auch die Lokalkultur vor Ort noch zeigen lassen. Wurde natürlich gemacht, wird eben wirklich ernst genommen hier mit der Deutschpop-Liebe. 

Wem das hier Beschriebene noch nicht genug ist, dem sei noch dieser Artikel von Christoph Kranebitter bei The Gap angetragen. Der Kollege hat dankenswerterweise auch bei der Rekonstruierung der Setlist mitgeholfen. 

Dank auch an Ottakringer und PopCorner für die generöse Bewirtung nach dem Konzert!

Text: Magdalena Hiller
Foto:  Alistair Fuller



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